Presse

Preis für die Zweisprachigkeit

Freiburger Nachrichten, Donnerstag 16. Dezember 2010
 
Aus Nebeneinander wird Miteinander
Die Deutschfreiburgische Arbeitsgemeinschaft (DFAG) hat den Preis für Zweisprachigkeit dieses Jahr doppelt verliehen: als Anerkennung für gelebte Zweisprachigkeit an die Jubla Ratatouille und an Bernard Garnier als Dank für seinen politischen Einsatz für die Partnersprache.
Anton Jungo
 
«Zweisprachigkeit ist kein Thema in unserem Verein. Wir gehen spontan damit um», erklärte Anita Rudaz, Präses der Jubla Ratatouille, am Dienstag bei der Entgegennahme des Preises. Die unerwartete Ehre sei für ihren Verein nicht nur eine Anerkennung, sondern auch Ansporn, sich noch mehr für die Zwei- beziehungsweise Mehrsprachigkeit zu engagieren, versprach sie. Die Jubla Ratatouille ist die einzige zweisprachige Jubla der Schweiz.
 
Chance statt Problem
Die Jubla Ratatouille im Freiburger Schönberg-Quartier ist zwar eine deutschsprachige Gründung. Doch war der Verein stets offen für anderssprachige Jugendliche. Er zählt heute 20 Leiter und rund 50 Mitglieder. Ein französischsprachiger Leiter bestätigte bei der Vorstellung des Jugend-vereins den spontanen Umgang mit der Sprache. «Die Sprache war für mich nie ein Problem, sondern vielmehr eine Chance.» Und: «Wir leben die Zweisprachigkeit mit Leichtigkeit.»
Der spontane Gebrauch der Sprachen in der Jubla sei beispielhaft, wie man es in einer zweisprachigen Stadt, einem zweisprachigen Kanton, in einer mehrsprachigen Schweiz, einer Welt, die näher zusammenrücke öfters antreffen möchte, hielt Claudine Brohy, Vorstandsmitglied der DFAG, in ihrer Laudatio fest. «Mit frankofonen und anderssprachigen Kindern wird je nach Bedarf und sans chichis Französisch und Hochdeutsch eingesetzt. Da wird geswitcht, gemixt, gebolzt und manchmal auch gebalzt, und es wird kein Gedanke daran verschwendet, ob jetzt das Hochdeutsche eine Fremdsprache, eine Halbfremdsprache oder eine Stiefmuttersprache ist.»...
Interview mit JuBla Ratatouille
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Ein bewärtes Freizeit-Rezept: " Jubla Ratatouille Fryburg"

 

Freiburger Nachrichten, Mittwoch 20 Mai 2010 

 

Der Stadtfreiburger Kinder- und Jugendverband Jubla Ratatouille - ein harmonischer Mix aus Tradition und Innovation - feiert am Samstag sein 20-jähriges Bestehen.

Autor: Carolin Foehr

FreiburgIn der Freiburger Jubla-Schar «Ratatouille» ist der Name Programm. Nicht, dass hier nur gekocht würde. Aber die Jubla-Gruppe ist landesweit die einzige zweisprachige unter den sonst deutschschweizerischen Vereinigungen. Ratatouille, ein kultureller Mix eben, der ganz zu Freiburg passt. Leiter, Leiterinnen und Kinder sprechen meist beide Sprachen wild durcheinander. «Nach dem Sommerlager reden auch die, die zuvor kein Wort Deutsch oder Französisch konnten, von 'Wanderschuhen, qui font mal', 'on se voit vor dem Mat-Zelt' und 'Le Lagerfeuer fait du Spass'», erzählt der jahrelange Jublaner und ehemalige Präses Gabriel Huber schmunzelnd.

Der Verband bietet Kindern und Jugendlichen von der zweiten Primar- bis zur Sekundarstufe Freizeitangebote: Basteln, Geländespiele, Disco, Kerzenziehen stehen einmal pro Monat auf dem Programm. Abschluss und Höhepunkt eines Jublajahres bildet das Sommerzeltlager. Im Jubiläumsjahr werden die Städter zwei Wochen im Luzerner Buttisholz verbringen.

«Der Bezug zur Natur ist uns wichtig», sagt OK-Mitglied Stefanie Stoll. «In der Stadt ist das anders als auf dem Land. Es gibt viele Kinder, die sonst kaum ins Grüne oder zum Zelten fahren.» Da sei schon die Kuhwiese neben dem Lagerplatz ein aufregendes Erlebnis.

Glauben erleben

Als christlicher Kinder- und Jugendverband mit katholischen Wurzeln steht die Schar im engen Kontakt zur Stadt-freiburger Pfarrei: Sommer- und Pfarreifeste, regelmässige Jugendforen sowie das Mitgestalten von Gottesdiensten gehören zum festen Programm. «Aber wir sind nicht dogmatisch», sagt der OS-Lehrer Huber. «Jeder kann bei uns mitmachen, unabhängig von seiner Konfession - keines der Angebote ist zwingend.» Über den Glauben werde nicht nur diskutiert, sondern dieser werde durch das Angebot vermittelt. «Kreativ tätig sein, gemeinsam diskutieren und entscheiden, Konflikte fair austragen und seine Freizeit als Leiter einer sinnvollen Sache widmen - das ist für mich gelebter Glaube», sagt Huber.

Nicht nur sprachlich geht «Ratatouille» in der Jublalandschaft eigene Wege. Als Stadtvereinigung muss sie ihr Angebot an andere Freizeitmöglichkeiten anpassen. Statt der sonst üblichen «Gruppenstunden», die nach Altersgruppen unabhängige Programme anbieten, finden in Freiburg Anlässe für alle Mitglieder statt.

Schweizweit zählt die Jubla rund 20 000 Mädchen und 15 000 Buben als Mitglieder. In den 1970er-Jahren aus dem Zusammenschluss von Blauring und Jungwacht entstanden, vereint sie heute über 550 Scharen. Im Kanton Freiburg sind es deren 14 mit 1000 Mitgliedern. 1989 ist die «Jubla Ratatouille» aus dem Zusammenschluss der Scharen St. Theres und St. Paul hervorgegangen. Seit 2002 ist sie die einzige Stadtfreiburger Schar.

«Jublaläums»-Programm: Sa, 22. Mai, ab 14 Uhr neben dem Neustadt-Schulhaus. 17 Uhr Fest-Gottesdienst, 19.30 Uhr Festrede Urs Schwaller; Darbietungen der Jublaner, danach Festbetrieb im Festzelt und Disco im Restaurant «Les Tanneurs».